Hallo Fater!

So will ich denn mal endlich Ernst mit dem Spaß machen und über die Kunst schreiben. Dass dabei auch einiges abgeschrieben werden wird – im mehrfachen Wortsinne – liegt in der Natur dieses Vorhabens. Und in meiner Natur liegt, dass ich diese Form wähle, nämlich die auch ansonsten meiner künstlerischen Arbeitsweise entsprechende des Selbstgesprächs mit Teilnehmer – als der du nun fungierst.
Der Grund dafür ist einfach: Selbstgespräche entwickeln sich auf Dauer meist gen gern Selbstzweck und geraten dann in eine gewisse Wunderlich-keit. Der außenstehende Adressat hingegen soll mich zwingen, was sich für den einsam Monologisierenden von selbst versteht auch verständlich zu machen.
Außerdem liegt mir die große Form nicht, ich bin erfahrungsgemäß eher lyrisch als episch. Wenn ich das Objektiv auf das Thema halte, rutschen mir ständig neue Aspekte in die Linse und kaleidoskopisieren mit jeder Gedankenbewegung. Also eher Einblick als überblick – welch letzterer unser Allerweltskuddelmuddel überblickend ja auch vieles übersehen muss.

Mich interessiert am großen Puzzle dieses Teil und jenes, und wie sie sich aneinanderfügen oder nicht – weniger die allgemeine Regel, nach der sich angeblich alle Puzzles zusammensetzen lassen, egal was sie zeigen.

- sehr schön, aber was will uns der Mathematiker damit zeigen / sagen?

Ein Kleeblatt!

Und was machen wir jetzt mit dem Wissen, dass diese Formel die Form eines Kleeblatts beschreibt ? Mal ganz abgesehen davon, dass, da du und ich es nicht nachvollziehen können, wir es also gar nicht wissen, sondern glauben (müssen).
Also zurück – vom soll zeigen, könnte sein – zum ist, vom Konjunktiv zum Indikativ.
Na, und so will ich denn auf dem großen Patchwork der Kunst von Flicken zu Flicken hüpfen per angewandtem Essay (=Versuch) über die kritische Bemerkung bis zur speziellen Polemik – wie es sich gerade anbietet; du kannst dir daraus wieder deinen eigenen Teppich knüpfeln und vielleicht sogar hin und wieder mit ihm fliegen gehen in Gedanken...

Nur eins – versprochen! – wird’s nicht geben: Beliebigkeit, wie wir sie aus den hilflosen Katalogtexten kennen. Unverständlich- selbstverliebtes Wortgeklingel, dessen Gegenstand, sofern überhaupt vorhanden und gemeint, jederzeit austauschbar ist, obwohl er doch als einzigartig bebrabbelt wird.

Dir schreibt der, der den Stift hält, nicht einer, der überlegt wie man ihn halten könnte, gar sollte, um ihn ausgedacht im angewandten Falle abzubrechen und noch zu behaupten: muss so! Dabei halte ich mich gerne an Virginia Woolf: "Der Essayist fängt nicht mit Adam und Eva an, sondern mit dem, worüber er reden will; er sagt, was ihm daran aufgeht, hört auf, wo er selber am Ende sich fühlt und nicht dort, wo kein Rest mehr bliebe."

Also für heute Ende, freu dich auf den Rest - und Söhnlein-Gruß!
14.07.02