Hallo Fater!

Heute also ein kurzer Sprung zu A & E (s. gestern: Adam & Eva) und noch ein weiterer von A zu E (Anfang & Ende) der Kunst.
Das Phänomenalste ist ja, dass es sie überhaupt gibt. Und zwar ohne dass man sie prinzipiell bräuchte – eine Tatsache, die sie sich mit z.B. Glaube und Liebe teilt. Ihr Vorhandensein spiegelt also wohl ein Bedürfnis wieder, das über reine (über-) Lebensnotwendigkeiten hinausweist. Ein Grund für ihr In-der-Welt-Sein (zu anderen wie Propaganda, Dekoration etc. später) dürfte darin liegen, dass sie etwas über die Welt sagen / zeigen kann, was ohne sie völlig unbegreifbar bliebe. Denn auch die Kunst ist natürlich nur eine Annäherung an deren Formen und Inhalte. Und eben das könnte und sollte ihr Sinn in meinem Sinne (und meinen Sinnen) sein.
Wenn Form und Inhalt allerdings in eins fallen, ist die Kunst nicht am Ende, sondern im schwarzen Loch des Selbstzwecks unwiederbringlich verschwunden.
Ein rotes Quadrat ist ein rotes Quadrat. Punkt. Egal, was er will, mehr kann uns auch der Produzent desselben damit nicht sagen; und was immer er denkt, glaubt, meint juckt das rote Quadrat eben so wenig wie mich als Betrachter.
Dasselbe gilt für schwarze Dreiecke etc. und wird in Serie in seiner einzigen Aussage nur um so deutlicher: hier hänge ich, der Künstler kann nicht anders. Und die Freunde simpelster Form mit adäquatem Inhalt sind somit ja auch bestens bedient.
Spätestens seit Magritte begriffen: Ceci n’est pas une pipe – sondern stellt eine dar. Der grüne Kreis aber stellt keinen dar, sondern ist einer. Und wenn er überdies noch die Gedankenwelt des Ihn-gemalt-Habenden darstellen soll oder gar ist – na, danke.

Glaube, Liebe, Kunst & Söhnlein-Gruß

15.07.02